Hast du einen Lieblingstipp aus deinem Buch?
Micha Busch: Ich habe verschiedene Lieblingstipps, aber mein Favorit ist tatsächlich das Vermeiden von E-Mail-Ping-Pong. Nicht nur, weil er schön klingt, sondern weil dieses Phänomen wirklich ein großer Zeitfresser und eine Falle ist, in die man leicht (nicht nur) im schulischen Arbeitsumfeld tappt.
Was bedeutet das? E-Mail-Ping-Pong bedeutet, dass jemand eine E-Mail an viele andere Personen schreibt und bspw. Informationen abfragt oder einen Termin vorschlägt. In der Schule könnte das beispielsweise eine E-Mail an das Jahrgangsteam sein, in der man alle beteiligten Personen fragt: „Was haltet ihr davon?“ oder „Passt der Termin?“ Und dann erhält man von jeder Person einzeln eine separate Antwort.
Die Freude hält sich (zumindest bei mir) in Grenzen, wenn das E-Mail-Fach auf diese Weise mit Mails vollläuft. Daher versuche ich, solche Ping-Pong-Fallen in unserem Kollegium zu vermeiden. In vielen Fällen funktioniert das auch schon gut, indem wir z.B. zentrale Dokumente nutzen oder bestimmte Tools für Umfragen oder Terminfindungen einsetzen.
Es gibt aber auch andere Dinge, die ich wichtig finde. Zum Beispiel ist die Idee „Zero-Inbox“ für mich persönlich bedeutsam. Mein Ziel ist es, jeden Abend null ungelesene E-Mails in meinem Postfach zu haben, weil ansonsten das Mailpostfach zu einer zusätzlichen To-Do-Liste wird.
Das ist übrigens auch ein Aspekt, den ich wichtig finde: eine sinnvolle und effektive Organisation der eigenen Aufgaben. Dazu gibt es auch einen Tipp in meinem Buch.
Warum hast du dich für das Format Buch entschieden und teilst deine Tipps nicht auf dem Blog oder in den sozialen Netzwerken?
Micha Busch: Wenn man einen Ratgeber zu solch einem dynamischen Thema schreibt, stellt sich immer die Frage, warum man das Medium Buch verwendet und nicht etwa einen Blog oder ein anderes Format, das leichter aktualisiert werden kann. Ich wurde auch nach Erscheinen meines ersten Buchs “55 Webtools für den Unterricht” mit dieser Frage konfrontiert, da ich mich auch damals schon in der Blog- und Twitter-Sphäre zu diesem Thema bewegte. Allerdings gibt es immer noch viele Personen, insbesondere Einsteiger*innen, die sich eher auf Bücher verlassen und die man weniger über Tweets oder Blogposts erreicht. Das Buchformat ermöglicht es, diese Zielgruppe besser zu erreichen.
Ein Nachteil besteht natürlich darin, dass sich Dinge verändern, die dann nicht im gedruckten Werk abgebildet sind. Zum Beispiel wird das Thema Künstliche Intelligenz in meinem Buch nicht explizit behandelt, da es bei Redaktionsschluss noch nicht diese Prominenz hatte. Ich denke jedoch nicht, dass dies problematisch ist, da ich versucht habe, die Tipps ein Stück weit zeitlos und – wo möglich – unabhängig von bestimmten Tools zu formulieren. Wenn es beispielsweise darum geht, offene Aufgaben zu stellen oder alternative Leistungsbewertungen zu ermöglichen, wird der Begriff Künstliche Intelligenz zwar nicht erwähnt, aber es wird u.a. auf die Problematik hingewiesen, dass die Fokussierung auf geschlossene Aufgaben, die nur auf Reproduktion von Wissen abzielen, nicht ausreichend ist für einen Unterricht, der auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorbereiten muss.
Gibt es noch etwas, das du anderen Lehrkräften mitgeben möchtest?
Micha Busch: Es ist entscheidend, dass Schulen die aktuellen technologischen Entwicklungen nicht ignorieren oder verbieten, sondern einen kritisch-konstruktiven Blick einnehmen und sich selbst als Gestalter in diesem Bereich wahrnehmen. Das heißt aber auch, dass wir als Lehrpersonen uns immer auch als Lernende verstehen. Gerade dieses Themenfeld verdeutlicht, vielleicht sogar stärker als andere, dass lebenslanges Lernen insbesondere für Lehrer*innen wichtig ist.
Um die Lebenswelt der jungen Menschen zu verstehen und um sie auf das Leben außerhalb der Schule vorzubereiten, müssen Lehrpersonen sich mit dieser Lebenswelt auseinandersetzen – und dazu gehört eben auch die Bedeutung, der Einfluss und die Auswirkungen von digitaler Technologie.